Was ist, wenn wir nicht mehr leben?

Was ist, wenn wir nicht mehr leben? – eine Frage, die sich viele schon gestellt haben, besonders auch diejenigen, die einen lieben Menschen verloren haben und sich fragen, wo sich der Verstorbene wohl jetzt befindet.

Reinhard-Mey
Foto von Sven-Sebastian Sajak / Lizenz: CC-BY-SA 4.0

Reinhard Mey hat diese Frage auf seine Art in einem seiner Lieder beantwortet:

Du hast mir schon Fragen gestellt
Über „Gott und die Welt“,
Und meist konnt‘ ich dir Antwort geben.
Doch jetzt bringst du mich aus dem Lot
Mit deiner Frage nach dem Tod
Und „was ist, wenn wir nicht mehr leben?“
Da muß ich passen, tut mir Leid,
Niemand weiß da so recht Bescheid,
Solang es Menschen gibt auf Erden.
Ich stelle mir das Sterben vor
So wie ein großes, helles Tor,
Durch das wir einmal gehen werden.

Dahinter liegt der Quell des Lichts,
Oder das Meer, vielleicht auch nichts,
Vielleicht ein Park mit grünen Bänken,
Doch eh‘ nicht jemand wiederkehrt
Und mich eines Bess‘ren belehrt,
Möcht‘ ich mir dort den Himmel denken.
Höher, als Wolkentürme steh‘n,
Höher noch, als Luftstraßen geh‘n,
Jets ihre weißen Bahnen schreiben
Jenseits der Grenzen uns’rer Zeit,
Ein Raum der Schwerelosigkeit,
Ein guter Platz, um dort zu bleiben.

Fernab von Zwietracht, Angst und Leid,
In Frieden und Gelassenheit,
Weil wir nichts brauchen, nichts vermissen.
Und es ist tröstlich, wie ich find‘,
Die uns vorangegangen sind,
Und die wir lieben, dort zu wissen.
Und der Gedanke, irgendwann
Auch durch dies Tor zu geh‘n, hat dann
Nichts Drohendes, er mahnt uns eben,
Jede Minute bis dahin,
Wie ein Geschenk, mit wachem Sinn,
In tiefen Zügen zu erleben.

(Quelle: „Alle Lieder“, Edition Reinhard Mey, Berlin)

Über den Sinn des Lebens

Albert_eintein

Seltsam erscheint unsere Lage auf dieser Erde. Jeder von uns erscheint da unfreiwillig und ungebeten zu kurzem Aufenthalt, ohne zu wissen, warum und wozu. Im täglichen Leben fühlen wir nur, dass der Mensch um anderer willen da ist, solcher, die wir lieben, und zahlreicher anderer, ihm schicksalsverbundener Wesen.

Albert Einstein (1879-1955): aus „Mein Glaubensbekenntnis“, 1932


Niels_Bohr

Der Sinn des Lebens besteht darin, dass es keinen Sinn hat zu sagen, dass das Leben keinen Sinn hat.

Niels Bohr (1885-1962), dänischer Physiker


Ludwig_Wittgenstein_1910

An einen Gott zu glauben heißt, die Frage nach dem Sinn des Lebens verstehen. An einen Gott zu glauben heißt sehen, dass es mit den Tatsachen der Welt noch nicht abgetan ist. An Gott glauben heißt sehen, dass das Leben einen Sinn hat … Wer glücklich ist, der darf keine Furcht haben. Auch nicht vor dem Tode. Nur wer nicht in der Zeit, sondern in der Gegenwart lebt, ist glücklich. Für das Leben in der Gegenwart gibt es keinen Tod. Der Tod ist kein Ereignis des Lebens. Es ist keine Tatsache der Welt. Wenn man unter Ewigkeit nicht unendliche Zeitdauer, sondern Unzeitlichkeit versteht, dann kann man sagen, dass der ewig lebt, der in der Gegenwart lebt. Um glücklich zu leben, muss ich in Übereinstimmung sein mit der Welt. Und das heißt ja „glücklich sein“ … Die Furcht vor dem Tode ist das beste Zeichen eines falschen, d. h. schlechten Lebens.

Ludwig Wittgenstein (1889-1951), österreichisch-britischer Philosoph
Tagebucheintrag am 8. Juli 1916


bonhoeffer

Wir meinen, weil dieser oder jener Mensch lebt, habe es auch für uns Sinn zu leben. In Wahrheit ist es aber so: Wenn die Erde gewürdigt wurde, den Menschen Jesus zu tragen, wenn ein Mensch wie Jesus gelebt hat, dann und nur dann hat es für uns Menschen einen Sinn zu leben […] Der unbiblische Begriff des Sinnes ist ja nur eine Übersetzung dessen, was die Bibel ‚Verheißung‘ nennt.

Dietrich Bonhoeffer (1906-1945), lutherischer Theologe und Widerstandskämpfer gegen die NS-Herrschaft

„Der Reiche und der Arme“ und Lied EG 666 „Selig seid ihr“

Predigttext am 1. Sonntag nach Trinitatis: Lukas 16, 19-31

Jesus erzählte: „Da lebte einmal ein reicher Mann. Er war immer sehr vornehm gekleidet und konnte sich Tag für Tag jeden Luxus leisten. Vor dem Portal seines Hauses aber lag Lazarus, bettelarm und schwer krank. Sein Körper war über und über mit Geschwüren bedeckt. Während er dort um die Abfälle aus der Küche bettelte, kamen die Hunde und beleckten seine offenen Wunden. Lazarus starb, und die Engel brachten ihn in den Himmel; dort durfte er den Ehrenplatz an Abrahams Seite einnehmen. Auch der reiche Mann starb und wurde begraben. Als er im Totenreich unter Qualen erwachte, blickte er auf und erkannte in weiter Ferne Abraham, der Lazarus bei sich hatte. ‚Vater Abraham‘, rief der Reiche laut, ‚hab Mitleid mit mir! Schick mir doch Lazarus! Er soll seine Fingerspitze ins Wasser tauchen und damit meine Zunge kühlen. Ich leide in diesen Flammen furchtbare Qualen!‘ Aber Abraham erwiderte: ‚Mein Sohn, erinnere dich! Du hast in deinem Leben alles gehabt, Lazarus hatte nichts. Jetzt geht es ihm gut, und du musst leiden. Außerdem liegt zwischen uns ein tiefer Abgrund. Niemand kann von der einen Seite zur anderen kommen, selbst wenn er es wollte.‘ ‚Vater Abraham‘, bat jetzt der Reiche, ‚dann schick Lazarus doch wenigstens in das Haus meines Vaters zu meinen fünf Brüdern. Er soll sie warnen, damit sie nach ihrem Tod nicht auch an diesen qualvollen Ort kommen.‘ Aber Abraham entgegnete: ‚Deine Brüder sollen auf das hören, was sie bei Mose und den Propheten lesen können.‘ Der Reiche widersprach: ‚Nein, Vater Abraham, erst wenn einer von den Toten zu ihnen käme, würden sie ihr Leben ändern.‘ Doch Abraham blieb dabei: ‚Wenn sie nicht auf Mose und die Propheten hören, werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn einer von den Toten aufersteht.'“

armer-und-reicher

Predigten zu diesem Text

Wikipedia Artikel „Reicher Mann und armer Lazarus“

Eines der heute gesungenen Lieder war:

EG 666 (EKiR)
Selig seid ihr
Text: F. K. Barth und P. Horst 1979
Melodie: P. Janssens 1979

Text:

1. Selig seid ihr, wenn ihr einfach lebt.
Selig seid ihr, wenn ihr Lasten tragt.

2. Selig seid ihr, wenn ihr lieben lernt.
Selig seid ihr, wenn ihr Güte wagt.

3. Selig seid ihr, wenn ihr Leiden merkt.
Selig seid ihr, wenn ihr ehrlich bleibt.

4. Selig seid ihr, wenn ihr Frieden macht.
Selig seid ihr, wenn ihr Unrecht spürt.

Siehe auch diesen Blogpost com 14.9.14 …